Die Finanzkrise, die 2008 die weltweite Finanzbranche erschütterte und mit deren Folgen die meisten Volkswirtschaften noch bis heute kämpfen, hat vor allem die Verletzbarkeit und Vulnerabilität der westlichen Wirtschaftsordnung offengelegt. Milliardenschwere Konzerne, die Jahrzehnte lang nur von den Zielen des Wachstums und der Profitsteigerung angetrieben wurden, ohne dabei die Risiken einer Veränderung der Rahmenbedingungen mit einzuberechnen, erwiesen sich plötzlich als tickende Zeitbomben in einem System, das inzwischen so vernetzt war, dass das Scheitern eines einzelnen Elements ungeahnte und katastrophale Konsequenzen haben könnte. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 markierte einen Meilenstein in der Geschichte der Finanzindustrie.
Die Notwendigkeit von Regulierungen
Die darauf folgende Welle an Entlassungen und Pleiten zeigte die dringende Notwendigkeit von Regulierungen für die Branche. Dabei lautete die wichtigste Prämisse, die finanziellen Risiken von Versicherungen, Banken, Investmentfonds, etc. mit einem angemessenen Volumen an Rücklagen zu unterlegen und somit diese Unternehmen für den Falle eines Zahlungsausfalls der Schuldner zu rüsten. Dabei war es vor allem wichtig, auf die individuellen Eigenschaften der genauen Branchen einzugehen. Somit wurden, unter anderem, folgende Gesetzesänderungen vorgenommen.
Basel III für die Banken
Basel III konzentriert sich vor allem auf die Erhöhung der Mindesteigenkapitalanforderungen und die Einführung von Mindestkapitalpuffern. Die Eigenkapitalanforderungen an Kreditinstitute erhöhten sich als Ergebnis von Basel III auf 10,5 Prozent der Bilanzsumme.
Solvency II für Versicherungen
Solvency II sieht neben Erhöhungen der Eigenmittelanforderungen auch eine strikte Neuordnung des internen Risikomanagements in den Konzernen vor. Darüber hinaus wird eine Harmonisierung der Aufsicht des Sektors in Europa angestrebt. Inhaltlich ist der Vorsprung an die Basler 2-Säulen-Struktur angelehnt.
Kritik
Vor allem die Versicherungswirtschaft kritisiert die gesetzlichen Erneuerungen vehement. Hauptkritikpunkt ist, dass die neuen Mindestanforderungen sowie der Stressfaktor anhand Berechnungen in der britischen Versicherungsbranche ermittelt wurden. Da angelsächsische Unternehmen traditionell risikofreudiger als ihre kontinentaleuropäischen Konkurrenten sind, ergibt sich laut Interessenverband ein zu hoher Stressfaktor, der die Unternehmen auf dem alten Kontinent benachteiligt.